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Weihnachtsbrief 2017

„So sehr hat Gott die Welt geliebt, dass er uns seinen einzigen Sohn gegeben hat.“
Evangelium nach Johannes Santiago de Chile, Advent 2017

Unsere lieben Freunde,

Überwältigt und beschenkt vom Dienst unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Fundación Cristo Vive Bolivia und Perú kehre ich nach Chile zurück. Aber all dieser Einsatz in den 3 Ländern ist nur möglich mit Hilfe eurer solidarischen Unterstützung, liebe Freunde in Europa. Ich danke und lobe Gott für jede eurer Spenden, die wir in Bolivien, Peru und Chile für unsere Geschwister in Not einsetzen und in ein besseres Leben für sie verwandeln können. All das gäbe es nicht ohne euren treuen Beistand über die vielen Jahre hinweg. Vergangenen Samstag hatten wir einen geistlichen Tag im Frauenhaus Sonqo Wasi in Cusco, an dem unsere Mitarbeiter, Freunde und unsere deutschen Freiwilligen teilnahmen. Zuerst betrachteten wir gemeinsam die liebende Gegenwart Gottes in unserem Leben, der uns beistehen will auf unserem Weg der Befreiung und des Glückes. Danach tauschten wir uns in Gruppen aus, welche Früchte unser Leben bringt. Fast am Ende der Tagung überraschten uns die Frauen des Hauses mit einigen Liedern in Quetchua und Tänzen, die sie vorbereitet hatten. Danach wollten sie zu uns sprechen. Hayde ergriff als Erste das Wort: “Ich danke, dass ich hier aufgenommen wurde nach 7 Jahren schrecklicher psychischer und körperlicher Misshandlung meines Mannes. Ich war dauernd in Angst, traute mich nicht mehr zu reden, mochte mich selbst und meine 3 Kinder nicht mehr. Ich muss euch sagen, wäre ich nicht in diesem Haus untergekommen, würde ich vielleicht – wie auch andere meiner Schwestern hier – nicht mehr leben. Denn das kann von einer Sekunde auf die nächste passiseren... davon können auch die anderen Frauen im Haus sprechen.“ Als ich das hörte, konnte ich die Tränen kaum zurückhalten: 23 Frauen mit ihren Kindern haben in diesem Jahr in unserem Haus ein neues Leben begonnen, mehr als hundert andere Frauen wurden im Haus Recoleta ambulant psychologisch und juristisch betreut. Seit 2 Jahren wird dort auch den „Tätern“ (Ehemännern, Partnern) Hilfestellung angeboten.

Dieses Jahr wurden weiterhin die Kleinkinder auf dem Dorf Llaquepata betreut, damit die Mütter sorglos auf ihre Felder arbeiten gehen konnten. Leider schaffen wir es in Peru, aller Bemühungen zum Trotz, noch nicht vom Staat Unterstützung für unsere so wichtigen Dienste zu bekommen.

„So sehr hat Gott die Welt geliebt, dass er uns seinen einzigen Sohn gegeben hat.“ Evangelium nach Johannes Tía Carolina Vázquez Lonconado im Hogar Dios con Nosotros In Bolivien hat Schwester Mercedes inzwischen offiziell seit September die Leitung der Fundación Cristo Vive fest in der Hand und wird dabei von der Subdirektorin Maria Elena begleitet. Mit Freude sehe ich, wie die Dienste weiter gewachsen sind. Einige unserer Mitarbeiterinnen der Kindertagesstätte Musuj Muju (neuer Samen) sahen, wie tagtäglich mehrere Mütter mühsam das breite Flussbett mit ihren Kleinkindern überquerten, um diese zu uns in den Kindergarten zu bringen und danach zur Arbeit auf ihre Felder zu eilen. Eines Tages begleitete die Leiterin María Elena eine Mutter auf dem Rückweg zur Kleinbauernsiedlung Chascaya und fand dort eine Armenschule vor, in der einige Räume leer standen. Ohne große Umstände bat sie uns um Erlaubnis, die Kinder von Chascaya dort zu betreuen. Daraus ist nun in aller Armut ein kleiner Kindergarten und eine Hausaufgabenbetreuung enstanden. Auch unsere deutschen Freiwilligen helfen mit! Die Lehrerin Ingrid Kristinus und Schüler des Albert Schweitzer Gymnasiums Gundelfingen haben sich dafür begeistert und Spendenaktionen gemacht. Nun waren sie im vergangenen August dort und haben einen Kinderspielplatz gebaut. Das Bürgermeisteramt Quillacollo gibt sogar schon einen Zuschuss.

Der Erfolg dieser Initiative hat nun Tilme, die Mitarbeiterinnen und deutschen Freiwilligen in Tirani angesteckt, etwas Ähnliches für die ärmere Nachbarsiedlung Chicataquiña zu tun. Wenn das so weitergeht, werde ich arbeitslos... Ein Höhepunkt für Cristo Vive war am 10. Oktober die Einweihung des Internats für 16 Landwirtschafts-schüler aus den ärmsten Gegenden Boliviens: Ein unglaubliches Fest auf dem Quetchua-Bauerndorf BellaVista am Fuß des Berges Tunari (5000m) mit Freunden aus der Schweiz, Frankreich, Deutschland, Italien, Luxemburg, Vietnam, Argentinien, Peru und Chile. Wir konnten Margarita, die Präsidentin der Louis Dreyfus Stiftung und ihre Delegation, die den Bau und den Unterhalt der Landwirtschaftsschule finanziert, begrüssen und ihr von Herzen danken. Auch freuten wir uns über Franziska Hildebrand, die Präsidentin von Cristo Vive Schweiz, den Architektur-Professor des Baus, Ralf Pasel und seine wissenschaftliche Assistentin Lorena Valdivia, sowie über Elisabeth Voyeux in Vertretung der Luxemburger Pfadfinder. Auch der Gobernador von Cochabamba Iván Canelas, der französische Botschafter, der deutsche Honorarkonsul Gerardo Wille, Vertreter der deutschen und der Schweizer Botschaft und die Quetchua-Maurerinnen, die zusammen mit den anwesenden deutschen Studenten der TU auf dem Bau gearbeitet haben, feierten mit unseren Lehrern und Schülern. Vor dem Segen wiederholte unser Freund Tito Solari, der Alt-Erzbischof von Cochabamba, mehrmals: “Das ist ein Wunder, ein Wunder Gottes!“ Nun ein kleiner Überblick über den Einsatz der Cristo Vive in Bolivien: - 260 Kinder zwischen 6 Monaten und 5 Jahren sind ganztags in unseren Tagesstätten in Bella Vista, Chocaya und Tirani. Es wird auch mit ihren Eltern erzieherisch gearbeitet. - 140 Schulkinder bekommen Schulaufgaben-Nachhilfe und kulturelle Förderung in Bella Vista und Tirani - 500 junge Menschen erhalten eine 3-jährige Berufsausbildung im Instituto Tecnológico Sayarinapaj in Elektrizität, Metallmechanik, Schweißer, Tischler, Landwirtschaft, Küche und Bäckerei, Sozialarbeit und Kleinkindererziehung. 45 dieser Schüler leben in unserem Internat Musuj Kanchay, da sie aus entlegenen Gegenden kommen. Im neuen Internat werden weitere 16 Schüler unterkommen. - 85 arme, alte, häufig auf der Straße lebende Menschen, meist Frauen, werden ambulant betreut. - 26 Familien wird professionell beigestanden, um ihre Gärten und Kleinfelder ertragreicher anzubauen - In den beiden Polikliniken in Bella Vista und Tirani werden die Kranken behandelt, aber auch Gesundheitserziehung geleistet. In Bolivien erreichen wir es nach und nach, kleine Subventionen für die Kindergärten von den Stadtgemeinden zu bekommen. Gleichzeitig kämpfen wir weiter um eine staatliche Unterstützung für unser Berufsausbildungszentrum Sayarinapaj. Nach 48 Jahren Arbeit unter den Armen in Chile haben wir es zusammen mit unseren Mitarbeitern geschafft, dass der chilenische Staat im Jahr 2016 ganze 88,6% der Kosten unserer Dienste finanziert hat. Durch private Spenden in Chile waren 5,4% eingegangen und unsere europäischen Freunde haben 6% beigetragen, das waren aber immerhin noch 448.000 Euro, ohne die wir nicht über die Runden gekommen wären.

Jesus, der Sohn Gottes, hat uns keinen Zweifel hinterlassen, wie wir ihm begegnen können, als er sagte: „Ich war hungrig, durstig, wohnungslos, nackt, krank, im Gefängnis und du kamst mir zu Hilfe!“ In allen Menschen, denen wir dienen, begegnen wir Ihm. Wir können auf die Menschen in Not mit liebevollem Herzen zugehen und ihnen nach unseren Möglichkeiten beistehen. Dabei werden wir selbst auf die Dauer eine tiefe innere Freude spüren, in der Jesus uns seine wirkliche Gegenwart erfahren lässt.

Cristo Vive ist in Chile weiter gewachsen. Schwester Teresa begleitet mit ihrem Team die Arbeit mit den Obdachlosen, Dienst, den wir im Mai 2012 begonnen haben. In der Herberge Cristo Acoge können 20 bis 25 Obdachlose übernachten, im Wohnheim werden 30 Menschen auf ihrem Weg zur Resozialisierung begleitet, während weitere 32 Obdachlose ambulant betreut werden.In den beiden Rehabilitations-zentren Talitakum sind rund 130 Jugendliche und Erwachsene Drogenabhängige in ambulanter Begleitung und Behandlung. In der Poliklinik Villa Mercedes werden rund 4000 Pobladores medizinisch und krankenpflegerisch versorgt und im Familiengesundheitszentrum Cristo Vive haben 22.000 Menschen von morgens 8 Uhr bis 24 Uhr, sieben Tage die Woche, bei uns das Recht auf medizinische Behandlung. Rund 1.200 Schülerinnen und Schüler konnten wir in diesem Jahr in unseren 4 Berufsschulzentren ausbilden. Zu unserer Freude haben die meisten von ihnen nach ihrem Praktikum Arbeit gefunden. Ich bin weiter davon überzeugt, dass der Staat mindestens 2 Semester beruflicher Ausbildung für die jungen Arbeiter/innen finanzieren müsste, damit sie einen besseren Einstieg mit mehr Kenntnissen und praktischer Erfahrung fänden, aber das ist unserem Staat immer noch zu teuer und wir konnten das Arbeitsministerium bisher nicht davon überzeugen. Eine Ausnahme ist unsere kostenfreie Krankenpflegeschule mit bis zu 3 Semestern Ausbildung – bis jetztdie Einzige in ganz Chile – finanziert mit 70% staatlicher Subventionen und 30% Spenden von Cristo Vive Schweiz und Europa.

Viele tausend Kinder sind seit ihrer Gründung im Jahr 1973 durch unsere Kindertagesstätte Naciente im ehemaligen Elendsviertel Angela Davis gegangen.Inzwischen ist aus diesem Viertel eine Arbeitersiedlung geworden, in der rund 12.000 Menschen leben. Wie jedes Jahr feierten wir am 9. August die Erinnerung an den Gründungstag zusammen mit den Kindern und Eltern und danach mit den 60 Mitarbeiterinnen der Kinderkrippe, des Kindergartens und des Tagesheimes Dios con nosotros. Dazu waren langjährige Freunde und Mitarbeiter der anderen Dienste von Cristo Vive eingeladen. Als zentrale Botschaft der Feier hatte das verantwortliche Team das Evangelium vom Sämann ausgewählt. Ich war Tage zuvor gebeten worden eine kleine Betrachtung zum Text zu machen. Um die 90 Anwesende mit strahlenden Gesichtern füllten den Saal, als wir nach einem fröhlichen Lied die Botschaft Jesu vom Samenkorn hörten, das auf die Straße fällt und zertreten wird, auf steinigen Grund und nicht wachsen kann, zwischen die Dornen und kaum ein wenig gewachsen von diesen erdrückt wird, das aber auch auf guten Boden fällt und reiche Frucht bringt. Carolina Vázquez Lonconado, die junge Frau, die zur Zeit als Aushilfskraft bei unseren Behinderten mitarbeitet, schlug das Buch des Evangeliums zu und sagte: „Ich möchte einen Kommentar zu dieser Lesung machen“, während ich ich gerade aufstehen wollte, meinem Dienst am Wort zu erfüllen. Überrascht blieb ich sitzen und es ist fast unbeschreiblich was wir hörten. Carolina begann: „Das Samenkorn ist das Samenkorn der Liebe Gottes, das hier im Kindergarten Naciente, als ich noch ganz klein war, in mein Herz gepflanzt wurde und gewachsen ist in meinem ganzen Leben und das weiter wächst. Es ist das Samenkorn der Liebe, die wir alle heute in die Herzen pflanzen. Ich möchte heute besonders einer Erzieherin danken, der Tia Patty Aravena, die die Liebe in mein Herz gesät hat, als ich schrecklich arm und verlassen war. Jeden Morgen kam ich glücklich hier in den Kindergarten und immer noch ist der Duft ihres Parfüms in meiner Erinnerung. Nun sage ich euch allen, wir müssen weiter den Samen der Liebe in die Herzen unserer Kinder und Behinderten säen!“

Liebe Freunde, ich war nach diesen Worten fast sprachlos.Sicher könnt ihr euch vorstellen, dass ich innerlich immer noch davon bewegt bin. Ich konnte auch nur anfügen, dass unser Dienst, die Liebe zu säen, nicht ein „MÜSSEN“ ist, sondern unser höchstes Ziel, unsere tiefste Berufung und unser größtes Glück. Die Liebe Gottes in unser aller Herzen, in einer Zeit in der wir so leicht abgelenkt werden...

Die Tia Patty, Mutter von 3 Kindern, arbeitet im Naciente seit über 30 Jahren, und ich kenne sie seither, kann mich aber an kein Parfüm von ihr erinnern. So fragte ich sie nach der Feier nach „ihrem Parfüm“, von dem Carolina gesprochen hatte. Sie antwortete mir lachend, dass sie nie eines gehabt habe. Da überkam es mich wie eine Offenbarung: Patty strömte für Carolina Liebe aus, den Geruch der Liebe, das Parfüm, das nie verfliegt... Diesen Duft der Liebe hat Jesus, das Kind in der Krippe, uns hinterlassen, damit wir uns am Leben freuen und alles tun, damit besonders alle unsere Lieben sich dieser Liebe erfreuen, wie auch jene Menschen, die unsere Hilfe brauchen.

Der Heimgang unseres geliebten Freundes und Mitgründers Jorge Fernández ist überstrahlt von dieser Liebe: einen Teil seines Erbes hat er uns mit Zustimmung seiner Familie für die Armen vermacht. Zusammen mit all unseren Mitarbeitern möchte ich euch in dieser Heiligen Nacht viel Liebe und Freude und ein gesegnetes Jahr 2018 wünschen. An der Krippe des göttlichen Kindes begegnen wir uns.

Von Herzen umarmt euch Eure Karoline

Zur Erinnerung unsere Anschrift und Konto: "Cristo Vive Europa e.V." Hallertauer Volksbank e.G. Manching Kontonummer: 9670068 BLZ: 72191600

Mehr Informationen: Karoline Mayer Casilla 2943, Santiago de Chile Tel: 0056-2-6255243, karoline@fundacioncristovive.cl Zuhause:0056-2-6212003

www.cristovive.de
www.fundacioncristovive.cl
www.bolivienprojekt.de
www.fcv-bo.org

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