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Karoline Mayer:
aktueller Rundbrief

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Frühlingsrundbrief 2018

Santiago, November 2018

Unsere lieben Freunde,

Als ich mich Anfang Oktober in unserem Büro in Cochabamba verabschiedete, um mich auf den Weg zum Flughafen zu machen, wollte Briggith, unsere verantwortliche Buchhalterin nochmals mit mir reden.

Sie ist eine junge, sehr zurückhaltende Persönlichkeit, die schon mehr als 12 Jahre bei uns mitarbeitet. Sie bat mich um einige Orientierungen für ein paar Projektabrechnungen. Danach aber wollte sie mit mir über etwas Wichtiges in ihrem eigenen Leben sprechen. Da konnte ich nur staunen, als sie mir sagte: „Karoline, du hast uns einmal gesagt: ‘Cristo Vive ist subversiv‘. Wir reden in der Stiftung nicht viel über Christus oder von Gott, sondern wir zeigen den Menschen in unserem Dienst der Liebe an den Armen, dass Christus lebt. Ich habe das anfangs in der Fundacion nicht verstanden, auch mein Mann konnte damit nichts anfangen, aber auf einmal haben wir entdeckt, dass das auch eine Wirklichkeit für uns ist: Christus lebt, wenn wir anderen Bedürftigen helfen. Das tun wir jetzt auch als Familie und spüren Cristo Vive ist wirklich subversiv.“ Ihr habt vielleicht schon gemerkt, dass ich häufig in Bolivien bin, um unsere Mitarbeiter dort in den verschiedenen Diensten zu begleiten.

Das Land hat in den vergangenen Jahren eine unbeschreibliche politische, wirtschaftliche, soziale, kulturelle und vor allem menschliche Entwicklung gemacht. Mit der vollen Anerkennung der 37 Nationalitäten durch die Nationalversammlung, nennt sich das Land heute vor der UNO „ Estado Plurinacional de Bolivia“ (Plurinationaler Staat Bolivien). Das gibt den Menschen, vor allem den indigenen Völkern, ihre Würde und ihren Platz zurück, deren die Eroberer und Mestizen sie über Jahrhunderte beraubt hatten. Sozialer Friede macht sich trotz aller politischen Kämpfe breit. Mit diesen Menschen, die immer am Rande der Gesellschaft standen, arbeiten wir.

Wie ich schon in meinem letzten Brief berichtet habe, verhandelten wir während des ganzes Jahres 2017 mit Unterstützung des Gemeindevorstandes Tirani mit der Stadtgemeinde Cochabamba-Cercado, damit diese die Bezahlung unserer Erzieherinnen und Köchinnen übernimmt. Tilme, die Leiterin unseres Dienstes in Tirani, hatte damit schon 2017 erreicht, dass wir von der Stadt einen monatlichen Bonus für drei Mitarbeiterinnen bekamen. Dieser bedeutet 1700 Bolivianos (250 Euros), zehn Monate im Jahr. Nach vielen Verhandlungen hat uns die Stadt für 2018 die Bezahlung dieses Bonus für alle Erzieherinnen zugesagt, mit der Auflage, dass die Mitarbeiterinnen nicht mehr von uns bezahlt werden und dass die Eltern der Kinder für die Ernährung sorgen, die zum Teil dann von der Stadtgemeinde finanziert wird.

Mit Hilfe der Luxemburger Niños de la Tierra konnten wir unseren Erzieherinnen und Köchinnen die entsprechenden Abfindungen auszahlen. Ihr könnt euch vorstellen, wie schwer es mir persönlich gefallen ist: die Forderung der Stadt erschien mir wie ein Einbruch, aber nun ist es Aufgabe der Mitarbeiter sich für einen gerechteren Lohn einzusetzen. Ich brauchte einige Wochen Reflektion und Gebet.

Alle unsere Mitarbeiterinnen in Tirani haben ihre Berufsausbildung in Erziehung, Sozialarbeit und Küche mit unserem auch finanziellen Beistand abgeschlossen. Sie sind zu einem Team zusammen gewachsen, ihre Kinder waren oder sind bei uns im Kindergarten. Mit unserem Lohn im Kindergarten konnten sie finanziell ein bescheidenes, aber gutes Leben führen, über Jahre privilegiert im Vergleich zu anderen Frauen und Nachbarn.

Andererseits übernimmt zum ersten Mal in der Geschichte Boliviens der Staat die Aufgabe, durch die Land- oder Stadtgemeinden die Mütter zu entlasten und den Vorschulkindern Hilfestellung zu geben. Die Verantwortung dafür sollen die kleinen Ortsgemeinden tragen. Und eines unserer Ziele als Cristo Vive ist ja mitzuarbeiten, dass soziale und politische Strukturen geschaffen werden, nicht etwa diese zu ersetzen. Auch wenn das staatliche Programm einige Etagen tiefer angesiedelt ist, ist es entwicklungsfähig und bedeutet vor allem auch aktive Teilnahme und Mitverantwortung der Mütter und Väter der Kinderbetreuungsstätten.

Bevor wir diese Entscheidung trafen, gab es mit unseren Mitarbeiterinnen stundenlange Gespräche mit vielen Tränen, aber am Schluss auch viele Dankesworte und Zeugnisse von ihrem persönlichen Wachstum als Frauen, die heute einen Beruf, ein Selbstwertgefühl und Selbstbewusstsein haben.

Ich hätte mir nicht vorstellen können, dass ich, nach den manchmal sehr zu Herzen gehenden Gesprächen, so innig und tief von jeder unserer Mitarbeiterinnen umarmt würde, wobei die meisten von ihnen mir „gracias de corazón“ ins Ohr flüsterten. Ich wusste, dass es Rückzieher geben kann, aber wir werden weiter mit viel Liebe arbeiten.

Das ist auch geschehen. Ich konnte es erleben, da ich ja bei meinen häufigen Besuchen während dieses Jahres in Tirani wohnte. Wahrscheinlich wird nächstes Jahr Ähnliches im Kindergarten Musuj Muju in Bella Vista auf uns zukommen. In unserer Berufsfachschule Sayarinapaj begannen Anfang des Jahres über 500 Schüler ihre Ausbildung. Heute sind es 499 junge Frauen und Männer. Wir sind vom Bildungsministerium seit 12 Jahren eine staatlich anerkannte Privatschule. Das heißt, dass wir keinen staatlichen Zuschuss bekommen und wir uns durch Spenden, hauptsächlich von Cristo Vive Europa und einem Projekt der Luxemburger Pfadfinder finanzieren. Den Unterhalt der Landwirtschaftsschule verdanken wir seit 2 Jahren der Louis Dreyfus Stiftung.

Nun hat der Vorstand FCV Bolivia beschlossen, dass wir einen Vertrag mit der bolivianischen Bischofskonferenz abschließen und so mit deren Unterstützung eine staatliche Finanzierung erhalten können, die in den kommenden Jahren progressiv sein wird. Das bedeutet wiederum, dass wir zu Ende des Jahres unsere Privatschule schließen und unsere rund 30 Mitarbeiter entlassen müssen – das ist Auflage des Staates - , um Anfang des nächsten Jahres unter dem neuen Status alle unsere Lehrer wieder einzustellen. Ich konnte persönlich lange mit dem Bildungsminister gesprochen, der mir versprochen hat, dass er sich einsetzen wird, dass uns dieser Schritt gelingt. Am 1.Oktober war ich dann nochmals im Bildungsministerium in La Paz, um alle Papiere einzureichen. Alle diese Schritte wage ich nur an Gottes Hand und überzeugt, dass wir so ein wenig zur Verwirklichung SEINES REICHES beitragen, in dem junge arme Menschen eine gute und kostenlose Berufsausbildung für ein würdiges Leben bekommen.

Bei diesem Einsatz in Bolivien hat mich meine Assistentin Annekathrin Erk begleitet. Sie war Tag und Nacht unterwegs, um möglichst viel kennenzulernen und in Zukunft die Öffentlichkeitsarbeit der Stiftung in Bolivien und die Kommunikation der Projekte nach Deutschland zu unterstützen.

Zurück in Chile kann ich euch von zwei wichtigen Einsätzen berichten: Wir haben in unseren Berufsschulen in Zusammenarbeit mit dem Justizministerium 140 ehemalige Strafgefangene in einem Handwerk ausgebildet. Unsere Mitarbeiter haben sie mit Liebe und großem Respekt begleitet. Nächste Woche werden wir die Überreichung der Zeugnisse und ihre Schulentlassung feiern. Ich habe über den Eifer und die Lernbereitschaft dieser Männer gestaunt. Nun wünschen wir, dass sie während ihrer Schulung vor allem ihre eigene Würde erfahren haben.

Die Krankenpflegeschule hat auch in diesen Tagen die Ausbildung der 21 Altenpflegeschülerinnen beendet. Die Finanzierung des Kurses verdanken wir Cristo Vive Schweiz und der Stadtgemeinde Herrliberg. Die meisten Schülerinnen haben ihr Praktikum im „Hogar Alemán“ (das Deutsche Altersheim) gemacht und mehrere haben dort direkt ein Arbeitsangebot bekommen. Unsere lieben Freunde, wie immer danke ich im Namen unserer Mitarbeiter/innen für eure Unterstützung und wir bleiben verbunden

Eure Karoline


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