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Karoline Mayer:
aktueller Rundbrief

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Ostergrüße 2018

Santiago de Chile, Ostergrüße 2018

Unsere lieben Freunde:

Wie häufig komme ich an einen Punkt, an dem ich nicht weiß, was ich machen soll: Wie der Person helfen, die mit einem Problem zu mir kommt, das mir zunächst unlösbar zu sein scheint? Welche Antwort auf eine Frage geben, die ich nicht im Griff habe? Wie um Entschuldigung oder um Verzeihung bitten im Falle eines Miss-verständnisses von mir, wie einen Ärger oder Zorn über eine Ungerechtigkeit zu überwinden...? Das sind nur einige der Situationen, die ich täglich erlebe. Und ich nehme an, dass es vielen von euch so ähnlich ergeht. Stellt euch vor, da habe ich nun einen Schlüssel gefunden, der mir hilft: das Wort des chilenischen Jesuitenpaters Alberto Hurtado, der 1952 mit 51 Jahren gestorben ist, nachdem er Chile ein Leben lang mit seiner sozial-revolutionären Botschaft auf den Spuren Jesu aufgewühlt hatte. Bei allen Problemen, die auf ihn zukamen, fragte er immer: Was würde Christus an meiner Stelle tun?

Als ich vor fast 50 Jahren in Chile ankam, hörte ich von ihm reden. Die einen hielten ihn für einen kommunistischen Pfaffen und die anderen für einen Heiligen...Im Jahr 1995 wurde er Selig und dann Heilig gesprochen, so sehr verehrte ihn das Volk: San Alberto Hurtado. Ich frage mich jetzt oft: Was würde Jesus, mein Meister, an meiner Stelle antworten oder tun? Dabei ist ja auch noch wichtig das WIE. Jeden Tag versuche ich, diesen Meister besser zu verstehen und bespitzle ihn, so gut ich kann. Dabei lache ich manchmal über mich und meine Schwächen. Ich weiß inzwischen ja auch, dass es dabei nicht um eine Nachahmung oder einen Abklatsch von Jesus geht, sondern in Seinem Sinne und in Seinem Geiste liebevoll kreativ zu denken und zu handeln. Vor allem, wenn die Bittsteller ungelegen kommen.

Nicht alle meine Tage verlaufen wie der Heutige, aber so ähnlich. Kaum war ich aufgestanden, klopfte Roro schon an unsere Haustür um ein Stück Brot. Gestern in der Früh hatte er mir versprochen, dass er in die Drogenreha gehen wollte. Er ist eigentlich ein gestandener Mann, Vater von einem Sohn, den die Großmutter großzieht. Aber jetzt war er wahrscheinlich wieder die ganze Nacht auf der Jagd nach Drogen gewesen. Er ist beschämt und erinnert sich an sein Versprechen. Ich weiß nicht, ob er es schafft, es zu erfüllen... Dann, heute kaum im Büro angekommen, stand die ehemalige Nachbarin Juana an meiner Tür. Sie als Alleinerziehende hat es unter unsäglichen Mühen geschafft, dass ihre Tochter Lehrerin geworden ist und jetzt in der Schule neben der Siedlung arbeitet. Diese Tochter hat sie nun gebeten, dass sie als Mutter eine 14-jährige Schülerin aus ihrer Klasse aufnimmt, denn dieses Mädchen wäre öfters von ihrem Vater vergewaltigt worden, hätte diesen auf eigenen Entschluss angezeigt, wäre aber daraufhin von ihrer Mutter verstoßen worden. Nun müsste sie jede Nacht sehen, wo sie unterkommen könnte. Juana würde sie gerne bei sich unterbringen, hat jedoch Angst, dass das illegal sein könnte und wollte mich bitten, das Mädchen aufzunehmen. Sie wäre zusammen mit ihrer Tochter bereit, mich dabei zu unterstützen. Wie gerne würde ich es tun! Aber zum Glück konnte ich gleich unsere ehrenamtliche Rechtsanwältin einschalten, die sich auch mit der Schule in Verbindung setzen wird. Gemeinsam werden wir uns für das Mädchen einsetzen. Juana hat vor Emotion fast geweint, als sie wegging.

"Was würde Jesus an meiner Stelle tun?"

nach San Alberto Hurtado

Zwischendurch rief Claudia an, die mich vergangene Woche in unserem Gesundheitszentrum mit der Bitte überfallen hat, ihr bei der Organisation der körperlich und geistig Behinderten in der Siedlung zu helfen, zunächst um einen Ausweis für die öffentlichen Verkehrsmittel zu bekommen. Sie selbst hat schwere Behinderungen. Bei dem Anruf haben wir beschlossen, eine Versammlung im Gesundheitszentrum zu machen und dafür in der Siedlung zu einer Kampagne aufzurufen, die wir gleich heute beginnen wollen. Dann hatte ich noch zwei weitere Gespräche mit Personen in Not und schon war der Morgen vorbei. Liebe Freunde, ihr könnt euch vorstellen, wie dankbar ich immer bin für alle, die mir bei diesem Dienst in verschiedenster Form beistehen. Zu denen gehört ihr. Die Dienste der Fundación Cristo Vive Chile laufen nun nach den Sommerferien auf Hochtouren mit Ausnahme unserer Berufsbildungszentren, bei denen wir noch auf die Zusage der Finanzierung der Kurse des Jahres 2018 warten. Im April werde ich wieder in Bolivien sein. Unsere Luxemburger Freunde Niños de la Tierra werden uns besuchen. Sie haben uns ja zunächst mit dem Bau der Kindertagesstätte Chaskaya unterstützt, neben der Beihilfe zur Ausbildung der Mütter als Kindergärtnerinnen und Köchinnen. Über sechs Jahre tragen sie auch schon die Lohn- und Unterhaltskosten. Aber dieses Projekt, das von der Luxemburger Regierung kofinanziert wird, geht im März nächsten Jahres zu Ende. So haben wir schon im vergangenen Jahr mit der Stadt- und der Dorfgemeinde über diese Situation gesprochen. Die Kindertagesstätte, in der 110 Kinder von 3 Monaten bis 5 Jahre ganztags betreut werden, braucht die Unterstützung durch öffentliche Gelder. Wir konnten die Autoritäten überzeugen, diese aber verlangten, dass die Kindertagesstätte dann von der Dorfgemeinde übernommen werden muss und die Eltern die Kosten für das Essen ihrer Kinder tragen und dass sie sogar verantwortlich sind, es zu kaufen. Nach reichlichen Überlegungen in Cristo Vive Bolivia haben wir uns entschlossen, dieses Abenteuer im Februar mit der Dorfgemeinde einzugehen: 8 Erzieherinnen und 2 Köchinnen werden von der Stadtgemeinde bezahlt (ihr Gehalt ist niedriger als bei Cristo Vive), das Essen der Kinder von den Eltern gekauft. In Absprache mit der Gemeinde begleitet ein kleines professionelles Team der F.Cristo Vive die Arbeit der Kindertagesstätte. Dieses Team, dem die ehemalige Leiterin Tilme vorsteht, hat auf Bitten von drei Nachbargemeinden ihre Arbeit dort begonnen. Auch diese Dörfer möchten ein Kinderzentrum, damit die Mütter ohne Sorgen zur Arbeit auf ihre Felder gehen können. Schon sind sie dabei Mütter oder junge Frauen, die sich in der Gemeinde für diesen Dienst berufen fühlen, zu finden.

Bei all dem fühle ich mich in die Anfänge der siebziger Jahre in Chile zurückversetzt, Zeit in der die Siedler mit uns ihre Kindergärten aufgebaut und Geld gesammelt haben. Das ist in Chile heute kaum noch möglich. In dem installierten neoliberalen Wirtschaftssystem, in dem jeder kämpft, um selbst vorwärts zu kommen im dauernden Konkurrenzkampf mit anderen, ist es für die Pobladores sehr schwer sich zu organisieren, um ihre Probleme miteinander zu lösen. (Umso mehr freue ich mich über die Initiative von Claudia, von der ich euch am Anfang des Briefs geschrieben habe.) Dagegen ist das heute die Politik in Bolivien: dass sich alle beteiligen und wachsen in der Lösung ihrer Probleme. Der Staat unterstützt die Initiativen, die dem Allgemeinwohl dienen. Höchstes Ziel des bolivianischen Grundgesetzes ist: "Ein gutes Leben für alle Bolivianer", Arm und Reich. Ein gutes Leben für alle Menschen zu erreichen. Ich bin mir sicher, dass dies der Traum Gottes für die Menschheit ist. Dafür war Jesus bereit, alles aufs Spiel zu setzen und sein Leben zu geben.

Unsere lieben Freunde, schon sind wir in der "Semana Santa", der "Heiligen Woche", angekommen. Sie ist für mich die Woche der totalen Liebe Gottes, der in Jesus den Jüngern damals, und heute uns, die Füsse waschen will, damit auch wir die Kraft und die Freude haben, den Menschen, vor allem den Ärmsten zu dienen. Zu Ostern viel Freude und Sonne ins Herz! Mit viel Liebe umarmt euch

Eure Karoline

Zur Erinnerung unsere Anschrift und Konto: "Cristo Vive Europa e.V." Hallertauer Volksbank e.G. Manching Kontonummer: 9670068 BLZ: 72191600

Mehr Informationen: Karoline Mayer Casilla 2943, Santiago de Chile Tel: 0056-2-6255243, karoline@fundacioncristovive.cl Zuhause:0056-2-6212003

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